KIKI-Unterstützung: FreigegebenModell: OPenAI – ChatGPT 5.2 Thinking (2025-01-30)Human Review: Autor – 2026-01-15 12:18:40 Tanzsport ist eine der wenigen Sportarten, in denen Kunst, Körperkultur und soziale Interaktion untrennbar zusammengehören. Wer heute in einem Tanzsportverein trainiert, bewegt sich daher nicht nur in einer Techniktradition, sondern auch in einem kulturellen und gesellschaftlichen System: Regeln und Etikette, Musik- und Modegeschichte, Medienwandel, Fragen von Teilhabe und Zugehörigkeit. Der Blick zurück lohnt sich – nicht aus Nostalgie, sondern weil die Entwicklung des Tanzsports erklärt, warum wir heute so trainieren, wie wir trainieren: warum Standard und Latein weltweit in ähnlicher Form unterrichtet werden, warum Wettbewerbe klare Kriterien benötigen, warum Vereine als soziale Räume funktionieren und warum Tanzsport inzwischen Teil der olympischen Bewegung ist. In diesem Blogbeitrag zeichnen wir die Geschichte des Tanzsports als Linie nach: von frühen Gesellschaftstänzen über die Standardisierung im 20. Jahrhundert bis zu modernen Disziplinen und neuen Zielgruppen. Gleichzeitig schauen wir darauf, was Tanzsport gesellschaftlich „leistet“ – und warum das gerade für Vereine eine zentrale Botschaft ist. Was ist Tanzsport – und was unterscheidet ihn vom Gesellschaftstanz? Der Begriff Tanzsport bezeichnet das wettkampforientierte Tanzen nach festgelegten Regeln, Wertungskriterien und Klassenstrukturen. In der Praxis sind damit vor allem International Standard und International Latin verbunden, dazu kommen je nach Verband weitere Sparten (z. B. Formation, Para DanceSport oder Breaking). International wird der Tanzsport heute durch die World DanceSport Federation (WDSF) repräsentiert, deren Entwicklung eng mit der Sportisierung des Tanzens verknüpft ist. Der entscheidende Unterschied zum reinen Gesellschaftstanz liegt in drei Punkten: Standardisierung: Figuren, Technikprinzipien und Tempi werden so beschrieben, dass sie lehrbar und vergleichbar sind. Bewertung: Jurys beurteilen nach Kriterien wie Technik, Musikalität, Präsentation und Partnerschaft – je nach Disziplin mit eigener Gewichtung. Sportliche Systematik: Trainingsplanung, Leistungsentwicklung, Klasseneinteilungen und Wettbewerbsstrukturen machen aus Freizeitpraxis eine Sportform. Wichtig ist: Tanzsport hat seine Wurzeln im Gesellschaftstanz. Die Sportform ist nicht gegen die soziale Tanzkultur entstanden, sondern aus ihr heraus. Gerade deshalb bleibt der „soziale Kern“ im Tanzsport spürbar: Man trainiert im Paar, in der Gruppe, im Verein – und damit immer auch in Beziehung zu anderen. Vorläufer bis 1900: Ballkultur, Urbanisierung und die Demokratisierung des Tanzens Lange bevor es Turniere gab, war Tanzen ein sozialer Code. In den höfischen und später bürgerlichen Ballsälen des 18. und 19. Jahrhunderts regelten Tanzformen Nähe und Distanz, Status und Zugehörigkeit. Wer durfte wen auffordern? Welche Kleidung galt als angemessen? Welche Musik war „modern“? Tanz war damit nicht nur Unterhaltung, sondern soziale Ordnung in Bewegung. Mit der Urbanisierung und dem Aufstieg einer breiteren Mittelschicht veränderte sich diese Ordnung. Tanz wurde stärker öffentlich: In Städten entstanden neue Vergnügungsorte, Tanzsäle, Clubs, Hotels. Gleichzeitig wandelten sich Stile schneller. Walzer, Polka, später Foxtrott – sie alle waren Moden, die sich über Musikindustrie und Reisebewegungen ausbreiteten. Diese Phase ist für die Geschichte des Tanzsports entscheidend, weil hier zwei Voraussetzungen entstehen: Massenhafte Teilhabe: Tanzen ist nicht mehr exklusiv, sondern wird Freizeitpraxis breiter Bevölkerungsschichten. Professionalisierung: Tanzlehrende, Kapellen und Veranstalter entwickeln ein Interesse an Standards, die zuverlässig funktionieren – musikalisch, räumlich und sozial. Kurz gesagt: Der Tanzsport konnte erst entstehen, als Tanzen gleichzeitig populär und organisierbar wurde. 1900–1939: Die Geburt des Wettbewerbs und die Standardisierung des Ballsaals Frühe Meisterschaften: Als Tanzen erstmals „vergleichbar“ wurde Der Schritt vom gesellschaftlichen Tanz zum Sport beginnt dort, wo Leistung öffentlich verglichen wird. In der Tanzsport-Historiografie wird häufig auf eine frühe Zäsur verwiesen: 1909 fand in Paris eine als „inoffizielle Weltmeisterschaft“ beschriebene Veranstaltung statt – ein frühes Signal dafür, dass Tanzen zunehmend als Wettbewerb gedacht wurde. Diese frühen Vergleiche waren noch nicht so formalisiert wie heutige Turniere. Aber sie setzten etwas in Gang, das den Tanzsport bis heute prägt: die Frage nach fairen Kriterien. Sobald Paare gegeneinander antreten, brauchen sie gemeinsame Grundlagen: Musiktempo, Schrittmuster, Raumregeln. Blackpool ab 1920: Die internationale Bühne des Ballroom Ein zweiter Meilenstein ist die Entstehung großer, regelmäßiger Wettbewerbe. Der Blackpool Dance Festival gilt als eines der wichtigsten Symbole dieser Entwicklung und wird seit 1920 im Winter Gardens-Komplex in Blackpool ausgetragen.Blackpool wurde zum Magneten, weil es mehrere Dinge vereinte: erstklassige Säle, internationale Beteiligung, Prestige und – ganz entscheidend – die Rolle als „Schaufenster“ für Stilnormen. Wer dort erfolgreich war, prägte, was als guter Stil galt. Für Vereine ist Blackpool auch historisch interessant, weil es zeigt, wie sehr Tanzsport immer schon eine Community war: Paare reisten, beobachteten, lernten voneinander, kopierten Trends, entwickelten Gegenstile. Wettbewerb war nie nur Leistungsmessung, sondern auch Wissensaustausch. Institutionen und Techniksprachen: ISTD 1904, Ballroom Branch 1924, OBBD 1929 Parallel zu den Turnieren professionalisierte sich die Lehre. In Großbritannien entstand früh eine starke Infrastruktur aus Tanzlehrerorganisationen und Technikkommissionen. Die Imperial Society of Teachers of Dancing (ISTD) wurde 1904 gegründet.Aus ihrer Entwicklung ist ein Datum besonders relevant: Die spätere Modern Ballroom Faculty (damals „Ballroom Branch“) wurde 1924 gebildet – mit dem Ziel, Unterricht und Beurteilung auf eine konsistentere Basis zu stellen. Nur wenige Jahre später wurde in Großbritannien zudem eine koordinierende Instanz geschaffen: Die heutige British Dance Council entstand 1929 als „Official Board of Ballroom Dancing“ – mit dem erklärten Ziel, Lehrende auf „uniform lines“ zusammenzuführen und Wettbewerbsregeln zu organisieren. Warum sind diese Organisationsdaten für die Geschichte des Tanzsports so wichtig? Weil sie den Kernprozess beschreiben: Aus einer Vielzahl lokaler Stile wird ein international verständlicher Standard. Die Tanztechnik bekommt eine Sprache (Begriffe, Prinzipien, Syllabi), und damit wird Ausbildung skalierbar: vom privaten Unterricht bis zum Vereinssystem. Formation und Teamgedanke: 1932 als frühes Signal Tanzsport wurde in dieser Zeit nicht nur als Paarleistung gedacht. Bereits 1932 wird in historischen Übersichten die Präsentation eines frühen Formationsteams in London erwähnt – ein Hinweis darauf, dass das Bedürfnis nach Teamformaten und synchroner Choreografie früh vorhanden war.Gerade heute, wo Formationen und Teamwettbewerbe vielen Vereinen Nachwuchs und Öffentlichkeit bringen, lohnt es sich, diesen Ursprung zu kennen: Teamtanz ist keine moderne „Show-Erfindung“, sondern ein historisch gewachsenes Format. 1940–1960: Nachkrieg, Medien und der Schritt zur internationalen Sportorganisation Tanz zwischen Alltag und Neubeginn Der Zweite Weltkrieg unterbrach vieles – auch Tanzkultur. Gleichzeitig wurden Tanz und Musik nach dem Krieg zu einem Ausdruck des Neubeginns. Tanzveranstaltungen, Ballsäle und Tanzschulen erlebten in vielen Ländern einen Aufschwung, weil sie etwas ermöglichten, das Gesellschaften nach Krisen besonders benötigen: Gemeinschaft, Struktur und Freude. In dieser Phase verschiebt sich der Tanzsport zudem stärker in Richtung medialer Öffentlichkeit. Historische Chronologien nennen 1960 als Jahr einer frühen Fernsehausstrahlung von Tanzsport – ein entscheidender Schritt, weil Medien Standards verstärken: Was im Fernsehen gezeigt wird, wird nachgeahmt. World Dance Council: 1950 als Professionalisierungsmarker Ein weiterer Meilenstein ist die internationale Organisation der professionellen Szene. Die heutige World Dance Council (WDC) geht auf die Gründung des „International Council of Ballroom Dancing“ am 22. September 1950 in Edinburgh zurück.Die anfängliche Zielsetzung war dabei sehr sporttypisch: eine gemeinsame Basis, um Weltmeisterschaften und Titelvergabe auf internationaler Ebene zu organisieren. Das verdeutlicht eine Grunddynamik der Tanzsportgeschichte: Professionelle und Amateurstrukturen entwickeln sich parallel, mit teils unterschiedlichen Interessen – und treiben sich gegenseitig an. Wo Profis Maßstäbe setzen, entstehen Vorbilder; wo Amateure Breite erzeugen, entsteht Nachwuchs und gesellschaftliche Verankerung. Der Amateursport organisiert sich: Gründung von ICAD 1957 Während die professionelle Welt ihre Strukturen konsolidierte, formierte sich der internationale Amateurverband. Die WDSF selbst führt in ihrer Chronologie aus, dass sie am 12. Mai 1957 in Wiesbaden unter dem Namen International Council of Amateur Dancers (ICAD) gegründet wurde.Diese Gründung ist ein Schlüsselereignis: Sie markiert den Übergang von nationalen Turnierkulturen zu einer global koordinierbaren Sportform. 1960–1997: Internationalisierung, Verbandsarbeit und die IOC-Anerkennung Von ICAD zu IDSF/WDSF: Namen sind Politik Verbände erzählen Geschichte auch über ihre Namen. Aus ICAD wurde 1990 die International DanceSport Federation (IDSF), später (2011) die World DanceSport Federation (WDSF).Hinter solchen Umbenennungen steckt mehr als Marketing: Es geht um Zuständigkeit, Governance und internationale Sichtbarkeit. Die WDSF dokumentiert in ihrer eigenen Historie außerdem Schritte, die für jede moderne Sportorganisation typisch sind: Mitgliedschaften in Sportdachverbänden, Anti-Doping-Standards und die Professionalisierung von Wettbewerbsformaten. 1997: Tanzsport wird Teil der olympischen Bewegung Ein besonders bedeutender Meilenstein ist die Anerkennung durch das Internationale Olympische Komitee. Die WDSF beschreibt, dass Tanzsport am 4. September 1997 durch die 106. IOC-Session volle Anerkennung erhielt – mit den Rechten und Pflichten, die aus dem olympischen Regelwerk folgen. Warum ist das historisch und gesellschaftlich wichtig? Sportpolitische Legitimation: Tanzsport wird als Sport im formalen Sinne anerkannt – nicht nur als Kulturpraxis. Athletenorientierung: Anerkennung bringt Anforderungen an Governance, Fairness, Schutz der Sportlerinnen und Sportler und internationale Standards mit sich. Öffentliche Wahrnehmung: Tanzsport wird sichtbarer, weil olympische Anerkennung Aufmerksamkeit bündelt – auch wenn nicht jede Disziplin automatisch olympisch wird. Für Vereine ist die IOC-Anerkennung außerdem ein starkes Argument in der lokalen Sportlandschaft: Tanzsport ist nicht „nur Hobby“, sondern Teil einer anerkannten Sportstruktur – mit Trainingsmethodik, Wettkampfsystem und Nachwuchsarbeit. Tanzsport in Deutschland: Von frühen Turnieren zum DTV und zur Vereinsrealität Frühe Turniere und Verbandsgründung Deutschland war früh Teil der europäischen Tanzkultur. Der DTV dokumentiert etwa, dass bereits am 10. Dezember 1912 in Berlin (Admiralspalast) ein frühes Tanzturnier ausgetragen wurde und 1919 eine erste deutsche Meisterschaft stattfand.Solche Daten zeigen: Tanzsportgeschichte ist nicht nur „London und Paris“, sondern auch eine deutsche Vereins- und Veranstaltungsgeschichte. Der heutige Deutsche Tanzsportverband (DTV) wurde laut Verbandsdarstellungen zunächst 1920 informell gegründet und am 4. November 1921 in Berlin als Verein eingetragen.Dass Deutschland bereits so früh einen Amateurverband organisierte, ist bemerkenswert – und erklärt, warum Deutschland bis heute eine starke Vereinslandschaft im Tanzsport hat. Vereinswesen als Struktur: Warum Tanzsport in Deutschland „funktioniert“ Die Bedeutung des DTV liegt nicht nur in Meisterschaften, sondern in der Organisationslogik, die Vereinen Planungssicherheit gibt: Lizenzen, Wertungsrichterwesen, Sportordnung, Nachwuchssysteme, Turnierkalender. Gleichzeitig zeigen Verbandsprofile, dass der DTV als Spitzenverband im organisierten Sport verankert ist und den Tanzsport national repräsentiert. Für die Praxis heißt das: Ein Tanzsportverein ist nicht „einfach ein Kursanbieter“, sondern Teil eines Netzwerkes, in dem Leistung und Breite zusammengehören. Vereinsabende, Training, Turnierreisen und gemeinsame Veranstaltungen sind nicht Beiwerk, sondern die soziale Infrastruktur, die den Sport trägt. Techniksysteme, Ausbildung und Kulturtransfer: Warum Tanzsport weltweit „ähnlich“ aussieht Einer der faszinierendsten Aspekte der Tanzsportgeschichte ist die Entstehung einer internationalen Technikgrammatik. Dass ein Standardpaar in Deutschland, Italien oder Japan ähnliche Grundlagen trainiert, ist kein Zufall, sondern Ergebnis von Standardisierung, Lehrtraditionen und internationaler Kommunikation. Die ISTD-Entwicklung zeigt exemplarisch, wie Lehrsysteme institutionalisiert wurden: 1904 gegründet und 1924 in Fachbereiche („branches“) gegliedert, schuf die Organisation Grundlagen für ein systematisches Technikverständnis.Auch die British Dance Council entstand mit dem Ziel, Unterricht und Wettbewerb „auf einheitliche Linien“ zu bringen. Für den Tanzsport hatte das drei große Effekte: Wissen wird übertragbar: Technikbegriffe und Figurenlogik erlauben Lehrpläne, Prüfungen und Turnierbewertungen. Qualität wird skalierbar: Nachwuchsarbeit kann standardisiert und damit breiter angeboten werden – bis hin zu Breitensport- und Leistungssportpfaden. Kultur wird international: Tanzsport wird zu einem global verständlichen „Körperdialekt“, der über Sprache, Nation und Alter hinaus funktioniert. Diese Internationalität ist ein Grund, warum Tanzsportvereine oft besonders internationale Begegnungen erleben: Auf Turnieren, Trainingscamps und Workshops treffen Menschen aufeinander, die sich vielleicht nicht sprachlich, aber über Technik und Musik unmittelbar verstehen. Gesellschaftliche und soziale Relevanz: Was Tanzsport „jenseits der Medaillen“ bewirkt Die Geschichte des Tanzsports ist nicht nur eine Abfolge von Daten. Sie ist auch eine Geschichte sozialer Funktionen. Gerade Vereine sollten diese Funktionen kennen, weil sie erklären, warum Tanzsport Mitglieder bindet – und warum er gesellschaftlich relevant bleibt. Tanzsport demokratisiert Körperkultur Tanz begann in vielen europäischen Traditionen als Elitepraxis und wurde im 19. und 20. Jahrhundert zunehmend breitenwirksam. Der Tanzsport setzt diese Linie fort: Er bietet einen strukturierten Zugang zu Bewegung, der nicht über Leistungshintergrund, sondern über Lernbarkeit funktioniert. Einsteigerkurse, Hobbygruppen, Breitensportturniere und Leistungssport sind keine getrennten Welten, sondern Stufen eines Kontinuums. Das ist sozial bedeutsam, weil es Menschen dort abholt, wo sie stehen: Wer „einfach tanzen“ will, findet Gemeinschaft; wer sportliche Ziele sucht, findet Systematik. Beides stärkt Teilhabe. Partnerschaft als Kompetenz: Kommunikation ohne Worte Tanzsport ist Beziehungstraining – im besten Sinne. Er lehrt nonverbale Kommunikation, Verantwortungsteilung und Konfliktfähigkeit im Kleinen: Wenn Führung unklar ist, folgt Chaos; wenn Folgen passiv ist, fehlt Gestaltung; wenn beide egozentrisch agieren, bricht das Paarbild. Gute Paare lernen daher Kooperation als sportliche Kompetenz. Gesellschaftlich ist das relevant, weil diese Kompetenz nicht im luftleeren Raum entsteht, sondern in einem regelgebundenen Setting: Nähe, Distanz, Respekt und Rücksichtnahme sind Teil des Lernprozesses – und zwar wiederholbar, messbar und von außen beobachtbar. Rollenbilder im Wandel: Traditionen neu lesen Historisch wurden Standard- und Lateintänze häufig mit traditionellen Rollenbildern unterrichtet. Moderne Vereinsrealität ist differenzierter: Viele Vereine arbeiten stärker mit dem Gedanken, dass Führung und Folgen zwar Aufgaben im Moment definieren, aber nicht die gesellschaftliche Wertigkeit von Personen. Dazu kommt: In vielen Kontexten wird Tanzsport inklusiver – durch offene Zielgruppen, gemischte Altersklassen und Formate, die Diversität sichtbar machen. Der gesellschaftliche Punkt dahinter ist nicht „Trend“, sondern Nachhaltigkeit: Ein Sport bleibt lebendig, wenn er anschlussfähig ist. Tanzsport zeigt hier eine besondere Fähigkeit: Er kann Tradition bewahren und gleichzeitig Interpretationen öffnen. Vereine als „Third Places“: Gemeinschaft, die bleibt Soziologisch gelten Vereine als Orte zwischen Familie und Arbeit – Räume, in denen Vertrauen, Routinen und Zugehörigkeit entstehen. Tanzsportvereine sind dafür besonders geeignet, weil sie regelmäßige, ritualisierte Treffen bieten: Training, freies Tanzen, Turnierbegleitung, Feste, Workshops. Das schafft Bindung über Jahre, manchmal über Jahrzehnte. Gerade in Zeiten, in denen viele soziale Kontakte digital und fragmentiert sind, kann ein Tanzsportverein Stabilität liefern: Man kennt sich, man übt gemeinsam, man entwickelt Ziele, man feiert Fortschritte. Tanzsportgeschichte ist daher immer auch Vereinsgeschichte – und damit lokale Sozialgeschichte. Gesundheit, Prävention und Lebensqualität Tanzsport verbindet Ausdauer, Koordination, Kraft und Beweglichkeit mit Musik und sozialer Motivation. Für viele Menschen ist genau diese Kombination der Grund, warum sie „dranbleiben“: Training fühlt sich weniger nach Pflicht an, weil es kulturell eingebettet ist. Gleichzeitig wird der Körper ganzheitlich gefordert – von der Fußarbeit bis zur Haltung, von Reaktionsfähigkeit bis zur Balance. Gesellschaftlich bedeutet das: Tanzsport ist eine niedrigschwellige Präventionsform, die nicht nur körperlich wirkt, sondern auch mental – durch Musik, Erfolgserlebnisse und soziale Zugehörigkeit. In einer alternden Gesellschaft wird dieser Aspekt noch wichtiger, weil Vereine generationenübergreifende Aktivität ermöglichen. Inklusion und Sichtbarkeit: Wenn Tanzsport Barrieren abbaut Ein weiterer sozialer Wert liegt in inklusiven Disziplinen und Formaten. Die WDSF positioniert sich heute auch als Verband für Para DanceSport und versteht Tanzsport als breites Spektrum.Inklusion ist dabei nicht nur „zusätzliche Kategorie“, sondern eine Haltung: Leistung wird im jeweiligen Rahmen sichtbar gemacht, und Sport wird als Teilhabeformat verstanden. Für Vereine kann das sehr konkret werden: barriereärmere Trainingsangebote, offene Gruppen, Kooperationen mit Schulen oder sozialen Trägern – und die bewusste Botschaft, dass Tanzsport nicht nach Herkunft, Körperform oder Lebenslauf sortiert, sondern nach Lernbereitschaft und Gemeinschaft. Tanzsport heute und morgen: Digitalisierung, neue Disziplinen und olympische Öffentlichkeit Von der TV-Übertragung zur Social-Media-Ära Wenn 1960 frühe TV-Übertragungen Tanzsport in Wohnzimmer brachten, ist Social Media heute der nächste Sprung: Technikvideos, Turnierstreams, Trainingsclips, internationale Vernetzung. Das verändert auch die Lernkultur: Paare vergleichen sich global, Trends verbreiten sich schnell, und die Erwartung an Präsentation steigt. Gleichzeitig bleibt eine Konstante: Tanzsport lebt davon, dass Menschen gemeinsam in einem Raum üben. Digitalisierung kann Inspiration liefern, ersetzt aber nicht das Vereinsprinzip. Breaking bei Paris 2024: Tanzsport auf der olympischen Bühne Ein historischer Moment war die olympische Premiere von Breaking bei den Spielen in Paris 2024. In Zusammenfassungen wird dies als erstes Auftreten einer DanceSport-Disziplin im olympischen Sommerprogramm beschrieben; die WDSF selbst veröffentlichte bereits 2020 die Nachricht, dass Breaking offiziell in das Programm für Paris 2024 aufgenommen wurde. Für die Tanzsportgeschichte ist das aus zwei Gründen relevant: Es zeigt, dass Tanzsport sich weiterentwickelt und neue urbane Disziplinen sportlich organisiert. Es macht sichtbar, dass die Frage „Ist Tanz ein Sport?“ gesellschaftlich nicht abstrakt ist, sondern sportpolitisch entschieden wird – mit Folgen für Förderung, Nachwuchsarbeit und öffentliche Wahrnehmung. Die Zukunftsaufgabe: Balance zwischen Kultur und Sport Mit wachsender Sichtbarkeit wachsen auch Anforderungen: Athletenschutz, Fairness, Transparenz, Ausbildung von Trainerinnen und Trainern, klare Regeln – ohne die kulturelle Seele des Tanzens zu verlieren. Tanzsport war immer dann erfolgreich, wenn er beides konnte: Emotion und Ordnung, Ausdruck und Standard, Freude und Leistung. Für Vereine heißt das: Zukunft entsteht nicht nur durch neue Figuren oder schnellere Tempi, sondern durch eine Kultur, die Menschen bindet – und die Leistung als Teil von Gemeinschaft versteht. Fazit: Warum die Geschichte des Tanzsports eine Vereinsaufgabe ist Die Geschichte des Tanzsports erzählt von einer bemerkenswerten Transformation: Aus gesellschaftlichen Tanzmoden wurden internationale Techniksysteme, aus lokalen Wettbewerben wurden Weltbühnen wie Blackpool, aus Lehrtraditionen wurden Verbände, und aus einem Kulturformat wurde eine vom IOC anerkannte Sportstruktur. Für einen Tanzsportverein ist diese Geschichte nicht „nur Hintergrundwissen“. Sie ist ein Argument, warum Vereinsleben wirkt: weil es Menschen dauerhaft in Bewegung bringt, weil es soziale Bindung schafft, weil es Leistungsentwicklung fair organisiert, und weil es kulturelle Praxis in eine Form übersetzt, die offen und lernbar bleibt. Wenn wir heute trainieren – im Hobbykreis, im Breitensport oder im Turniertraining – dann stehen wir in einer Linie, die über hundert Jahre alt ist. Und wir gestalten sie weiter: durch Nachwuchsarbeit, durch offene Trainingskultur, durch Respekt im Paar, durch Musik und durch den Mut, Traditionen modern zu leben. Wenn Sie diese Geschichte nicht nur lesen, sondern erleben möchten: Kommen Sie zum Probetraining, besuchen Sie einen Vereinsabend oder begleiten Sie uns zu einem Turnier. Tanzsport ist am Ende genau das, was er seit seinen Anfängen war: Gemeinschaft in Bewegung. Wie hilfreich war dieser Beitrag? Klicke auf die Sterne um zu bewerten! 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